Uphuser Tietjenapfel – Apfel des Jahres 2017

Der Tietjenapfel aus Uphusen, einem Ortsteil der südlich an das Bremer Stadtgebiet angrenzenden Stadt Achim, wurde im Februar 2017 in Hamburg zum Apfel des Jahres ernannt. Die Apfelsorte mit dem süßsäuerlichen Geschmack und der typischen, leicht holzigen Note wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Heimatdichter und Lehrer Friedrich Seebode in den Achimer Dünen gefunden und von ihm zusammen mit seinen Schülern im Schulgarten vermehrt. Bei dem Ursprungsbaum handelte es sich vermutlich um einen Zufallssämling, also einen nicht gezielt gezüchteten und angepflanzten Baum. Seebode Sortenportraet Tietjenapfelbenannte die Sorte nach seiner Frau, einer geborenen Tietjen. Da der Tietjenapfel robust und reich tragend ist und auch auf schlechten Sandböden wachsen kann, wurde er in einer Sortenliste der Landwirtschaftskammer Hannover von 1907 zum Anbau empfohlen und erlangte so eine gewisse Verbreitung im Achimer Raum.

Über die Jahre geriet der Tietjenapfel in Vergessenheit, und Ende der 90er Jahre wusste niemand, der sich für alte Obstsorten interessierte, ob noch letzte Bäume des Tietjenapfels existierten. 1999 kam Eckart Brandt auf die Idee, den Tietjenapfel anlässlich eines Apfelmarktes, den der BUND veranstaltete, über einen Zeitungsaufruf zu suchen. Tatsächlich meldete sich ein Herr Mühlenbruch, in dessen elterlichem Garten in Mahndorf, einem Bremer Stadtteil, der an Uphusen grenzt, noch zwei Exemplare der Sorte standen. Als sich noch eine weitere Person auf den Aufruf hin mit übereinstimmenden Früchten einfand, wurde klar, dass es sich bei beiden Muehlenbruchs&TietjenapfelFruchtproben offenbar um die gesuchten Tietjenäpfel handelte. Kurze Zeit später besuchte ich die Familie Mühlenbruch und ließ mir die Bäume in ihrem Garten zeigen.

Dass es den Tietjenapfel überhaupt noch gibt, haben wir Menschen wie den Mühlenbruchs zu verdanken. In ihrer Familie war es üblich, dass erwachsene Kinder, die das Haus verließen und eine eigene Familie gründeten, einen Apfelbaum mit auf den Weg bekamen. In ihrem Fall war das der selbst veredelte Tietjenapfel.

Nun, da wieder Originalbäume der Sorte gefunden worden waren, konnte aus geschnittenen Reisern neue Bäume gezogen werden, so dass die Sorte inzwischen wieder in einigen Baumschulen angeboten wird.

Auch auf meiner Obstwiese wachsen seit dieser Zeit Tietjenäpfel und tragen fast jedes Jahr zuverlässig. Die in der Literatur beschriebene Robustheit des Apfels hat sich bestätigt: selbst in ausgesprochen feuchten Jahren leidet die Sorte kaum unter Pilzerkrankungen wie Schorf.Uphuser Tietjenapfel

Eine schöne Zusammenfassung der älteren und jüngeren Geschichte des Tietjenapfels findet sich im Jahresheft des Pomologen-Vereins, Jahrgang 2016, von Uwe Ciesla, das hier zu beziehen ist.

 

 

Sommeräpfel

Inzwischen ist die Zeit der Pflaumen, ersten Birnen und Sommeräpfel gekommen, und von letzteren gibt es mehr, als die meisten Menschen denken. Den Klarapfel oder Augustapfel kennt fast jeder, aber Schöner aus Bath und Irish Peach, die fast gelichzeitig oder kurz danach reifen, sin wohl nur dn Wenigsten bekannt.

Mittlerweile sind schon die etwas späteren Sommeräpfel reif, wie z. B. die dänische Sorte Skovfoget (Waldvogt), der Englische Scharlachpepping (wenn überhaupt ein Apfel die Farbbetzeichnung ‚Scharlach‘ verdient hat, dann dieser), Duchess Favourite, ebenfalls aus England, und der Sommergoldpepping, der für einen Sommerapfel erstaunlich aromatisch ist. Sommeräpfel

Es gibt also auch bei den Sommeräpfeln eine erstaunliche Vielfalt zu probieren und außerdem endlich wieder die Gelegenheit, nach Herzenslust mit Äpfeln zu kochen und backen, wie z. B. das folgende englische Dessert

Apfelschnee (apple snow)

Zutaten: ca. 750 g säuerliche Äpfel (um diese Jahreszeit z. B. Klaräpfel, Englischer Scharlachpepping, Filippa, Gravensteiner), 1/2 Zimtstange, Zucker nach Belieben, 2 Eiweiß, etwas Sahne oder Joghurt nach Belieben

Die Äpfel schälen und das Kerngehäuse entfernen, mit Zimtstange und Zucker nach Belieben zu Mus kochen (je säuerlicher die Äpfel sind, desto besser geht das), evtl. noch etwas glatt rühren. Die Eiweiß zu steifem Schnee schagen und unter die Äpfel ziehen. Nach Belieben noch etwas steif geschlagene Sahne oder (etwas weniger kalorienreich) Joghurt unterziehen. Zusammen mit Löffelbiskuits, Amaratti oder Cantiuccini als Dessert sevieren.

Tipp: die meisten alten Apfelsorten von der Streuobstwiese haben so viel Säure, dass man sich den in vielen Rezepten empfohlenen Zitronensaft sparen kann.

Auf der Obstwiese

Letzten Winter war es auf der Obstwiese wie immer Zeit für den Schnitt der Bäume und andere gröbere Arbeiten.daenisches Baumroden 1 Gut, dass ich im Dezember für einige Tage Hilfe von vier jungen tatkräftigen Dänen hatte, die als Wwoofer bei mir zu Besuch (WWOOF steht für: world wide opportunities on organic farms) waren und mir den Stumpf eines Mirabellenbaumes ausgegraben haben, der leider dem Hallimasch zum Opfer gefallen war.daenisches Baumroden 2

Im Februar habe ich dann in die entstandene Lücke einen neuen Baum zu gepflanzt. Dabei hatte ich Hilfe von Will, einem Australier, der Europa kennenlernen wollte und auf meinem Hof ebenfalls als Wwoofer zwei Wochen zu Gast war.

 Will und der neue Baum Inzwischen hat das kleine Apfelbäumchen natürlich längst Blätter bekommen,

der neue Apfelbaum

und es hat sogar schon zwei Früchte angesetzt.

die ersten Fruechte

Alte Obstsorten neu entdeckt – für Niedersachsen und Bremen

Mit dem neu erschienenen Buch über Alte Obstorten für Niederschsen und Bremen wird endlich eine Lücke geschlossen, gab es doch bislang keine Veröffentlichung mit Empfehlungen für geeignete Obstsorten für diese Region.

Wesentliche Passagen des Textes wurden übernommen aus Hans-Joachim Bannier: „Alte Obstsorten für Westfalen und Lippe“, 2. Auflage. Redaktionell überarbeitet und mit Beiträgen erweitert wurde das Buch von Eckart Brandt, Annette Braun-Lüllemann, Sabine Fortak, Dr. Ute Hoffmann-Deterding, Michael Ruhnau, Marita Tjarks und Jens Türschmann.

alte-obstsorten-neu-entdeckt-niedersachsen-bremenDas umfangreiche Nachschlagewerk für Obstwiesenbesitzer bis Hobbygärtner umfasst:

Sortenlisten, regional und überregional für Äpfel und Birnen, Pflaumen, Zwetschen, Renekloden und Mirabellen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und Aprikosen

– Abbildungen und ausführliche Beschreibungen der Sorten

– Anforderungen an streuobsttaugliche Obstsorten

– Empfehlungen zu den Standorten von Niederung bis Höhenlage, von Moor bis Sand

– Professionelle Hinweise zu Planung, Pflanzung und Schnitt

– Verfahren, um Schäden zu beseitigen und zu verhindern

– Maßnahmen gegen Schädlingsbefall

– Umfangreiche Adressensammlung zu Obstbaum- und Reiserkauf, Sortenbestimmung und Mosten, Vereinen und Bodenuntersuchung

Autoren-Sortenbuch-HB-Niedersachsen

die Autoren des Sortenbuchs v. l. n. r.: Eckart Brandt, Marita Tjarks, Sabine Fortak, Dr. Ute Hoffmann-Dterding, Michael Ruhnau (es fehlen: Hans-Joachim Bannier, Annette Braun-Lüllemann und Jens Türschmann)

Alte Obstsorten neu entdeckt für Niedersachsen – Bremen Sortenwahl, Pflanzung, Pflege
Redaktion: Sabine Fortak
Herausgegeben vom Pomologen-Verein Niedersachsen-Bremen mit Unterstützung der Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen
© 2013 Verlag Atelier im Bauernhaus
In der Bredenau 6
28870 Fischerhude
ISBN 987-3-88132-386-4
208 Seiten

Das Buch kann im Online-Shop des Pomologen-Vereins bestellt werden.