Gartenreise nach Südost-England

Auf die Spuren berühmter Gärtnerinnen und Gärtner begaben wir uns auf meiner zweiten diesjährigen Gartenreise, die den Südosten Englands, die Grafschaften Kent und Sussex, zum Ziel hatte.


die Lutyens-Bank im Rosengarten von Sissinghurst

Einen ersten Zwischenstopp machten wir im Garten ‚De Pullenhof‘ in den Niedrlanden südlich von Utrecht. Hier empfing uns Gartenbesitzerin Helma Sjamaar sehr herzlich und bot uns erst einmal einen Kaffee bzw. Tee an. Für ihren Garten hatte der inzwischen verstorbene Henk Gerritsen einen ersten Entwurf gemacht, und man konnte gut die für ihn typischen Gestaltungsprinzipien – eine straffe Form aus Hecken und eine kontrastierende, weil naturhafte Bepflanzung – wahrnehmen.

Nach dieser angenehmen Unterbrechung ging es weiter nach Calais, wo wir die Fähre nach Dover bestiegen. Nachdem uns die „White Cliffs of Dover“ begrüßt hatten, erreichten wir am Abend unser typisch englisches Hotel in Ashford.

Am nächsten Morgen begaben wir uns ins nahe gelegene ‚Godinton House‘ und besuchten damit gleich einen englischen Landsitz par excellence: Der malerische Blick auf die North Downs, der perfekt gepflegte Garten mit wunderbar zusammengestellten Rabatten und nicht zuletzt der typisch englische „Morning Coffee“, mit dem wir empfangen wurden, ließen uns gleich ganz und gar in die Welt der englischen Landhausgärten eintauchen.

Unsere Mittagspause machten wir in dem reizenden Städtchen Tenterden. Hier könnte ohne weiteres eine Folge der Inspector-Barnaby-Serie gedreht worden sein, und die Zeit verging schnell mit einem Mittagsimbiss und dem Besuch einiger der zahlreichen attraktiven Läden.

Am Nachmittag suchten wir den Garten und die Gärtnerei von ‚Kings John’s Lodge‘ auf. Bei „tea & cake“ konnten wir an diesem idyllischen Ort so richtig entspannen. Das Haus aus dem 16. und 17. Jahrhundert thront malerisch inmitten des Gartens, in dem die auch in Südengland herrschende Trockenheit leider ihre Spuren hinterlassen hatte.

Der nächste Tag brachte uns auf die Spuren von Vita Sackille-West, und wir besuchten zunächst den Landsitz der Sackvilles, Knole, in dem die Schriftstellerin und Gärtnerin aufgewachsen ist. Hier war weniger der Garten von Interesse als vielmehr das beeidnruckende Landhaus im jakobinischen Stil, das bereits Virginia Wolf stark beeindruckte, und das sie in ihrem Roman ‚Orlando‘ verewigte.

Danach besuchten wir die zweite Station im Lebensweg von Vita Sackville-West: Longbarn House, wo sie zusammen mit ihrem Mann, Harold Nicolson, ihren ersten Garten anlegte. Heute befinden sich Haus und Garten im Besitz von Rebecca Lemonius und ihrem Mann. Der Aufenthalt im Garten von Longbarn House wurde von der Gruppe sicher auch deshalb so angenehm empfunden, weil Rebecca, die sich hingebungsvoll um den Garten kümmert, uns mit Tee, Kuchen, vielen Fotos aus der Zeit der Nicolsons und interessanten Gespächen das Gefühl vermittelte, dass wir als Garteninteressierte herzlich willkommen waren.

Bevor wir am folgenden Tag Sissinghurst besuchten, machten wir am Morgen einen Abstecher zu ‚Merriments‘, einer ausgesprochen gut sortierten Gärtnerei, die einen anregenden Schaugarten unterhält. Hier wird mit gekonnt zusammengestllten Pflanzungen gezeigt, wie die Stauden und Gehölze, welche in der Gärtnerei angeboten werden, im eigenen Garten verwendet werden können.

Der ganze restliche Tag stand für die Erkundung des Lebenswerkes von Vita Sackville-West und Harold Nicolson zur Verfügung, so dass der Garten von Sissinghurst und seine Umgebung bis zu seiner Schließung von den Mitreisenden genossen werden konnte. In Sissinghurst macht sich die Tätigkeit des neuen Headgardeners, Troy Scott Smith, überzeugend bemerkbar, die dazu geführt hat, dass die Bepflanzung des Gartens wesentlich weniger steif und wieder sehr viel romantischer wirkt als noch vor ein paar Jahren.

Am nächsten Vormittag besuchten wir einen Garten ganz anderer Art. Dazu mussten wir uns in die flache Landschaft der Romney-Marsh begeben, wo sich an einem unwirtlichen Kiesstrand in unmittelbarer Nähe zum Atomkraftwerk Dungeness der auf seine Art beeindruckende Garten Filmemachers Derek Jarman befindet. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie Jarman, der in den 90er Jahren an AIDS verstarb, rund um die schwarz gestrichene Fischerhütte mit den gelben Fenstern eine Pflanzengemeinschaft versammelt hat, die hier den widrigen Elementen in Gestalt glühender Hitze und salziger Winde trotz und gleichzeitig in ihrer Farbintensität ein Zeichen der Hoffung zu setzen scheint.

Wie anders präsentierte sich dann am Nachmittag, nachdem wir in der Mittagspause das malerische Rye erkundet hatten, der üppige und farbenreiche Garten von Great Dixter. Die Rabatten mit den teils mutigen Farbzusammenstellungen – ein Erbe des langjährigen Besitzers von Great Dixter, Christopher Lloyd, – schienen fast übervoll, und so war es nicht verwunderlich, dass einigen Mitreisenden der in sich ruhende ‚Sunken Garden‘ am besten gefiel.

Der nächste Reisetag stand thematisch noch einmal im Zusmmenhang mit Vita Sackville-West und Harold Nicolson. In Perch Hill Farm hat SarahRaven, die Frau von Adam Nicolson, des Enkels von Vita und Harold, einen stimmungsvollen Garten mit ganz eigenem Charakter angelegt. Sie stammt selbst aus einer Botanikerfamilie und gibt Koch- und Gartenkurse, für die ihr Garten das Material und die Anregungen liefert.

Als letzte Station in England steuerten wir die Gärten der kürzlich im Alter von 95 Jahren verstorbenen Beth Chatto an. Wir waren beeindruckt, wie schön sich ihr Kiesgarten trotz der wochenlangen Trockenheit präsentierte. Beth hat damit ein überzeugendes Vermächtnis hinterlassen und ein Zeichen für den sorgsamen Umgang mit Wasser im Gatren gesetzt, ein Thema, dass ihr sehr am Herzen lag und das sie wiederholt in ihrem Briefwechsel mit Christopher Lloyd behandelte.

Danach machten wir noch einen Abstecher in das malerische Städtchen Lavenham mit seinen vielen Fachwerkbauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert, wo wir in einem typisch englischen Pub zu Abend aßen, bevor es auf die Fähre nach Hoek van Holland ging.

Nach der Färhüberfahrt bildete der Besuch des ‚Fanatasiegartens De Kronkel‘ den Schlusspunkt unserer Reise, die einen schönen Querschnitt durch die englische Gartenkultur geboten hat.