Trauriges Ereignis bei den Schafen

Am 30. April fanden mein derzeitiger kanadischer Wwoofer Javaid und ich mein Leitschaf Lotti tot auf der Weide. Ich war vollkommen überrascht, denn noch zwei Tage zuvor hatte Lotti die ganze Herde wie gewohnt angeführt, als wir die Weide wechselten. Auch am nächsten Morgen war noch alles in Ordnung, und Lotti kam wie immer als erste an den Zaun.

Da sie offenkundig kerngesund war, drängt sich der Verdacht auf, dass sie sich vergiftet hat – allerdings ist mir vollkommen unklar womit. Eine Kontrolle der gesamten Weide brachte keine Erkenntnis.

Lotti war ein ungewöhnliches Schaf, die von Jugend an zeigte, dass sie bereit war, die Herde anzuführen. Sie hatte offenkundig Spaß an „besonderen Aufgaben“ und stand immer sofort vor mir, wenn ich mit der Leine zur Weide kam.

Nun sind ihre beiden Lämmer mutterlos zurückgeblieben. Wenigstens sind sie alt genug, um auch ohne Milch überleben zu können. Für Lotti einen Ersatz als Leitschafun zu finden, wird sicher nicht einfach, und auch sonst fehlt sie einfach inder Herde.

 

Lammzeit

Mitte März fing in diesem Jahr die Lammzeit bei mir an – wenn ich das eine Lamm nicht rechne, das von Mutterschaf Grid einen Monat früher außer der Zeit geboren wurde, da sie im Herbst bereits gedeckt zu mir gekommen war. Vom 15. März an ging es dann Schlag auf Schlag, und keine zwei Wochen später tollten bereits 30 kleine schwarze Lämmer über die Weide. Einige Eindrücke von der diesjährigen Lammzeit folgen:


Tilda war in diesem Jahr eine der Ersten.


Während bei Liese die Geburt beginnt…


…ist Momos erstes Lamm schon da.


Lieses Erstgeborenes sucht bereits nach dem Euter…


…da hat Momo schon ihr zweites Lamm geboren.


Doch auch bei Liese gibt es noch ein zweites Lamm…


…und bei Momo schließlich drei.


Magda ist sehr besorgt um ihre Lämmer.


Auch das gehört zur Lammzeit: Annika sammelt die Nachgeburten ein.


Lottis zweites lamm ist winzig.


Entspannen in der Heuraufe.

Doch es gibt nicht nur schöne Momente in der Lammzeit. So hat eines von Momos Drillingen  leider nicht überlebt, und auch bei zwei anderen Schafen gab es Totgeburten. Aber auch das gehört dazu, und man muss lernen, sich an den Lämmern zu freuen, die es schaffen und springlebendig über die Weide tollen.

 

Das erste Lamm

Etwas unerwartet kam in diesem Jahr das erste Lamm. Schon am 12. Februar lag das kleine schwarze Etwas im Schafunterstand. Ich selber war an dem Tag nicht zu Hause, aber Wwoofer Tom hatte alles im Griff.

Die Mutter ist ein Schaf, das ich von einem Freund übernommen habe. Als sie zu mir kam, ließ sie sich von meinem Zuchtbock nicht decken. Die naheliegende Erklärung war, dass sie bereits gedeckt war. Das hat sich nun bestätigt. Bis die anderen Lämmer ab Mitte März geboren werden, wird die Kleine schon deutlich gewachsen sein und den anderen als große Schwester zeigen können, wo es langgeht.

Tom mit dem kleinen Lamm

 

Neue Lämmer in Arbeit

Bei den Schafen ist Deckzeit, und in diesem Herbst ist Jockel der diensthabende Deckbock in meiner Herde.


Deckbock Jockel

Jockel ist im besten Alter und wohnt normalerweise an der Nordseeküste bei Cuxhaven bei einer Züchterkollegin. Bei mir ist er nur zum Deckeinsatz. Mit seiner ausgeprägten Mähne und dem männlichen Profil ist er eine beeindruckende Erscheinung.
Bevor Jockel zu den Mutterschafen durfte, musste er erst einmal eine Woche lang bei den Bocklämmern zubringen. Die „Jungs“ fanden den „gestandenen Mann“ offenbar sehr attraktiv und umringten ihn gleich. Aufmüpfig wurde aber keiner von ihnen, denn die Kräfteverhältnisse waren doch zu eindeutig.


Jockel bei den Jungböcken: jung und alt finden sich offenbar gleichermaßen anziehend

Auch die Schafdamen mochten ihn anscheinend gleich, denn schon nach einer Woche waren drei Viertel der Schafe gedeckt – gut sichtbar am blauen Fleck auf der Kruppe. Jockel „hakt“ die Damen quasi „ab“, die er bereits begattet hat, und bringt eine blaue Markierung an. Das tut er allerdings nicht bewusst, sondern er trägt ein Deckgeschirr. Das ist ein farbiger Wachsblock, der mit Hilfe von Gurten auf seiner Brust fixiert ist, so dass sich die Farbe beim Aufspringen in der Wolle der Schafe abzeichnet. So kann ich (bis auf ca. eine Woche genau) ausrechnen, wann die Lämmer geboren werden, denn die Tragzeit bei Schafen beträgt ziemlich genau 145 – 153 Tage.


eheliche Pflichten machen augenscheinlich etwas müde

Jockel selbst braucht die Markierung allerdings nicht um zu wissen, ob ein Schaf schon gedeckt ist. Er prüft mit Hilfe seiner Nase, ob die Schafe brünftig sind oder nicht. Sobald er sich einem Schaf nähert, setzt dieses Urin ab, dessen Geruch er mit geschürzten Lippen einsaugt. Dieses Flehmen sieht für menschliche Betrachter immer etwas merkwürdig aus, weil der Bock ganz entrückt wirkt. Ist ein Schaf erst einmal gedeckt, so ist es das in diesem Jahr mit dem Sex gewesen, denn es ist nicht mehr bereit, sich noch einmal vom Bock bespringen zu lassen.


Jockel beim Flehmen – mit etlichen Schafen ist er offenbar schon fertig

Volle Wolle in Bülstedt

Am 15. Juli drehte sich auf meinem Hof wieder einmal (fast) alles um die Wolle.

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Robert von Stärk aus Rostock

Bereits zum 21. Mal trafen sich die niedersächsischen Züchter des Rauwolligen Pommerschen Landschafs, um den aktuellen Lämmerjahrgang ihrer Schafe bewerten und ins Herdbuch aufnehmen zu lassen.

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die gutgelaunten Bewerter

Über 80 Tiere aus 10 verschiedenen Zuchtbetrieben waren an diesem Tag zusammengekommen, um sich den kritischen Augen der Körkommission stellen.

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ein weniger gut gelaunter Bewerteter

Matthias Brockob, Zuchtleiter des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, und Robert von Stärk, ehemaliger Zuchtleiter Pommerscher Landschafe in Mecklenburg-Vorpommern, bewerteten gut gelaunt die Tiere und erläuterten die Besonderheiten dieser sehr alten Schafrasse.

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kritisches Publikum

Das war nicht nur für die Züchter, sondern auch für die zahlreichen Besucher ausgesprochen interessant, konnten sie doch viel über die besondere Qualität der Pommernwolle erfahren, über korrekte Fundamente (Gliedmaßen) und weitere Kriterien, die bei der Schafbewertung eine Rolle spielen.

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nichts geht ohne Protokoll

In der Mittagspause ließen sich Schafzüchter und Besucher die Schafbratwürstchen vom Grill schmecken.

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Andrang am Grill

Bei dieser Gelegenheit konnten sich alle auch gleich von der Qualität der Wolle Pommerscher Landschafe überzeugen: das junge Start-Up Unternehmen „Nordwolle“ war mit Funktionskleidung aus der Wolle „Grauwoller“ angereist und konnte etliche der Besucher davon überzeugen, dass es sich dabei um einen ganz besonderen Stoff handelt.

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Fachgespräche am Rande

Für die Züchter ist es eine gute Sache, dass Sie sicher sein könne, dass ihnen die Wolle ihrer Schafe zu einem fairen Preis abgenommen und zu hochwertigwen Textilien verarbeitet wird.

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Rutschpartie auf der Körbrücke

Nach dieser Stärkung konnte es mit dem Rangieren der Tiere weitergehen. Einen schönen Erfolg hatte Jungzüchter Nils Subthut aus Barnstedt (Dörverden), der mit zwei seiner weiblichen Lämmer den ersten und zweiten Platz belegte, gefolgt von einem Lamm von Jens Rummel aus Achim.

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Rangierung der weiblichen Lämmer

Bei den Bocklämmern gingen die ersten drei Plätze an Wiebke Knoop aus Lilienthal, Jana und Ralf Bendig aus Burweg und Norbert Gloor aus Hoyerhagen. Bei den Jährlingsschafen belegte Vera Knippenberg aus Cappel die ersten drei Plätze. Den besten Järhlingsbock hatte Christoph Höller aus Rinteln. Auf den zweiten Platz kam mein Jährlingsbock und auf den dritten ein Bock aus der Zucht von Wiebke Knoop.

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Rangierung der Bocklämmer

Im Anschluss an die Veranstaltung fanden sich die Züchter an einer langen Kaffeetafel ein, um züchterische Fragen zu besprechen, Urkunden  für die prämierten Tiere des Vorjahres entgegenzunehmen und die Veranstaltung in geselliger Runde ausklingen zu lassen.

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Züchter-Kaffeetafel

Im nächsten Jahr wird die Herdbuchaufnahme und Körung der Pommerschen Landschafe in Niedersachsen – wie gewohnt am dritten Juli-Samstag – bei Nils Subthut in Barnstedt stattfinden.

Im Nachklapp erschienen einige schöne Presseberichte zu der Veranstaltung wie z. B. in der Wümme-Zeitung und in der Zevener Zeitung (diesen Bericht finden Sie in mehreren Teilen hier: Teil 1, Teil 2, Foto)

 

 

 

 

Milchverarbeitung

Im vergangenen Sommer habe ich schon zum dritten Mal einige meiner Schafe gemolken. Diesmal warenn es vier: Alete, Momo, Liese und Cara. Natürlich hatte ich aus den Erfahrungen der letzten beiden Jahre gelernt und alles etwas optimiert.

alete-und-momo

So hatte ich mit meinen Helfern, die zeitweilig als Wwoofer (WWOOF steht für: world wide opportunities on organic farms) hier bei mir waren, einen kleinen Melkstand gebaut, der das Melken doch sehr erleichtert hat.

beim Melken

Außerdem hatte ich wieder Hilfe von Margret, die immer bereitwillig einspringt und die Schafe melkt, wenn ich einmal nicht da bin.

Margret beim Melken

Die Schafe hatten sich wieder ganz gut an das Melken gewöhnt. Natürlich gab es auch immer zur Belohnung ein kleines Leckerli.

Leckerli nach dem Melken

Wie in den letzten Jahren habe ich die Milch zu Joghurt…

Joghurt-04-2015

… Weichkäse…

Weichkaese-2014

… Schnittkäse nach Art von italienischem Pecorino…

Pecorino 6 Monate

… und natürlich Ricotta verarbeitet.

Ricotta

Hier noch einige Eindrücke vom Käsemachen:

arbeit-mit-dem-neuen-kaesekessel

Im vergangenen Sommer reichte der alte kleine Käsekessel nicht mehr aus, deshalb habe ich mir eigens einen neuen in Sardinien fertigen lassen. Dort werden solche Kessel wegen der vielen Schafe, die hier gemolken werden, immer noch hergestellt.

Bruchruehren

die durch das Lab dickgelegte Milch (noch im kleinen, alten Kessel) wird kleingerührt

Kaesemachen-2

nach einer kurzen Ruhezeit wird der Käsebruch in die Form gefüllt, von Hand gepresst

Kaesemachen-3

…und mehrfach gewendet

Kaeseschrank

Im Keller bekommt der fertige Pecorino dann seine nötige Reife

Hartkaese-2015

…und sieht nach einigen Wochen schon ganz gut aus

Meine Erfahrungen der letzten Beide Jahre habe ich in einem Artikel zusammengefasst, der in der Zeitschrift Schafzucht erschienen ist

Titel Schafzucht 2016-06-04

und hier zu nachlesen ist

Mechelner auf Youtube

Inzwischen gibt es auch einen Film-Beitrag von Robert Höck über Mechelner-Hühner. Die Aufnahmen dazu sind im Sommer 2016 bei mir auf dem Hof entstanden. Der ganze Beitrag kann hier angesehen werden.k-mechelner-hahn

Neuer Youtube-Beitrag über Schafrassen von Robert Höck

Liese als FilmstarNachdem Robert Höck bereits einen Beitrag über meine Pommerschen Landschafe gemacht hat und auch meine Ostfriesischen Möwen und Mechelner in einem seiner Beiträge vorkommen, beschäftigt sich ein weiterer Film von ihm mit Schafrassen, die besonders geeignet für Selbstversorger sind. Es freut mich natürlich besonders, dass er die Pommerschen Landschafe auf Platz zwei gestellt hat.

Den gesamten Beitrag gibt es hier zu sehen.

Pommersche Landschafe auf Youtube

Als Robert Höck aus Tirol bei mir zu Besuch war, um einen kleinen Filmbeitrag über die Ostfriesischen Möwen zu drehen, hat er auch gleich etliche Aufnahmen von meinen Schafen gemacht. Daraus hat Robert jetzt die 104. Folge seiner Filmbeiträge zu alten Nutztierrassen gemacht und bei Youtube eingestellt.Robert & Charlotte

Er selber sagt dazu, dass es die bisher umfangreichste und kurzweiligste Schaffolge ist, die er verwirklichen konnte. Ich denke, seine Begeisterung für diese Rasse kommt in dem Beitrag sehr gut rüber, der hier zu sehen ist.

Filmbeitrag über Ostfriesische Möwen

Vor Kurzem war Robert Höck aus Tirol bei mir zu Besuch und hat einige Filmaufnahmen von meinen Tieren gemacht. Robert Höck hat über die letzten Jahre bei Youtube etliche Filmbeiträge über alte Nutztierrassen eingestellt, inzwischen sind es mehr als 100.

k-MR2345671

Fotos: Robert Höck

Der 101. Beitrag beschäftigt sich nun mit den Ostfrieischen Möwen, und dafür hat Robert auch Aufnahmen von meinen Hühnern verwendet. Wer Lust hat, sich den Beitrag anzusehen, findet ihn hier.