3. Gartenlesung: Vita zu ehren

In dieser Woche habe ich für meine Gartenlesung einen kleinen Beitrag von Jürgen Dahl ausgesucht. Zum Einen knüpft er so schön an meine Gartenlesung der letzetn Woche an, zum anderen blüht die weiße Mondviole bei mir noch. In meinem Garten (oder besser: vor meinem Garten) gibt es nur die weiße Form von Lunaria annua, und nicht die sehr viel häufigere violette. Das verleiht dieser sonst weit verbreiteten Pflanze etwas Besonderes.

weiße Mondviole

Jürgen Dahl war freier Schriftsteller, ständiger Mitarbeiter der Zeit und des WDR und hat einige sehr lesenswerte Bücher über Pflanzen, Gärten und Ökologie geschrieben. Der Text, den ich vorlese und der hier anzuhören ist, ist dem Buch „Vom Geschmack der Lilienblüten – Neueste Nachrichten aus dem Garten“ entnommen.

2. Gartenlesung: Obstblüte und Stiefmütterchen

Durch die vielen positiven Rückmeldungen auf meine erste Gartenlesung ermutigt, habe ich einen weiteren Text zum Vorlesen ausgewählt, diesmal von Vita Sackville-West.

Die bekannte Gärtnerin und Schriftstellerin hat unter dem Titel „In my Garden“ über 25 Jahre lang regelmäßig eine Gartenkolumne für die Zeitschrift „Observer“ verfasst. Auf Deutsch sind einige dieser Beiträge im Piper Verlag unter dem Titel „Mein Garten“ erschienen.

Die Begebenheit, die ich vorlese, trug sich zwar im April zu und ist somit nicht mehr ganz passend zu den ersten Maitage, doch da das Wetter in den letzten Tagen eher Aprilwetter war und die Obstbäume auch noch blühen, erschien mir der Text doch ganz geeignet.

Vita Sackville-Wests Beitrag über die Obstblüte und Stiefmütterchen finden Interessierte hier.

Gartenlesung: Rhabarber verlangt nach Wein

Wenn in diesem Jahr alles „nach Plan“ verlaufen wäre, würde ich bereits in holländischen Gärten unterwegs sein und anderen Garten-Enthusiasten zeigen, wie kreativ die holländischen Gärtnerinnen und Gärtner mit Zwiebelpflanzen und Frühlingsblühern umgehen – doch an Reisen ist zurzeit ja nicht zu denken.

Da ich also leider keine Gärten in Holland, Frankreich oder England zeigen kann, habe ich mir überlegt, etwas zu tun, was auch in diesen Zeiten möglich ist: Alle, die Lust haben, in meinen Garten einzuladen und Ihnen eine kleine Geschichte vorzulesen. Vielleicht gelingt es mir, auf diesem Wege – vor allem denjenigen, die keinen eigenen Garten haben – ein wenig Frühlingsatmosphäre zu schicken, denn hier blühen gerade jetzt die Apfelbäume, und der Frühling ist in vollem Gange.

Wer also Lust hat,  sich passend zur Jahreszeit eine kleine Geschichte von Johannes Roth über den Rhabarber anzuhören, schaut einfach hier.

 

Lammzeit

In diesem Jahr beginnt die Lammzeit bei mir am 18. März. Alma ist nicht nur mein neues Leitschaf, das der Herde beim Weidewechsel vorangeht, sondern sie macht auch den Anfang beim Ablammen. Während Alma im letzten Jahr mit einer Totgeburt und einem lebensschwachen Lamm Pech hatte, läuft in diesem Jahr alles vollkommen problemlos ab: zwei gesunde Lämmer mit einem guten Geburtsgewicht von 3,4 und 3,9 kg.

Überhaupt verläuft die diesjährige Lammzeit sehr ruhig und ohne Komplikationen. Insgesamt sind 39 Lämmer geboren worden, und nur eines davon war nicht lebensfähig. Das ist ein sehr gutes Ergebnis.

Es ist immer wieder schön anzusehen, wie souverän auch junge Schafe ihre Lämmer zur Welt bringen und sich hingebungsvoll um sie kümmern.

Hier einige Fotos von einigen der zufriedenen Mütter:

Liese ist schon ein „alter Hase“, was das Lämmerkriegen betrifft

Momos Zwillinge sind mit 4,6 und 5 kg sehr groß

Lykkes Zwillinge sind dagegen eher klein

Tilda hat kaum Zeit, ihr erstes Lamm trocken zu lecken, da ist auch das zweite bereits da

Luna hat gleich beim ersten Mal Zwillinge

Wie hingebungsvoll sie ihre frischgeborenen Lämmer ableckt, kann man sich hier ansehen

Lores Lämmer sind bereits trocken geleckt, als wir morgens zum Füttern auf die Weide kommen

In den meisten Fällen bekomme ich von den Geburten nichts mit, denn die Lämmer werden oft zum Ausgang der Nacht geboren. Bei Isis‘ Geburt war ich jedoch rechtzeitig und konnte miterleben, wie das zweite Lamm zur Welt kam. Das habe ich in einer kurzen Filmsequenz festgehalten. Kaum geboren, leckt die Mutter die Fruchthülle ab. Auch das kann man sich heir anschauen.

Morgenstimmung auf der Weide

Aber das sind wie gesagt eher die Ausnahmen. Meist bietet sich morgens ein friedliches und entspanntes Bild, und auf den ersten Blick ist gar nicht zu erkennen, welche Lämmern erst  in der vergangenen Nacht geboren worden sind.

Während die Mütter gefüttert werden, beginnen die Lämmer schon bald zu spielen. Wer die ganze Lämmergruppe in Bewegung sehen möchte, kann sich das hier anschauen.

Fütterungszeit

Die Lammzeit ist immer eine intensive Zeit im Jahr, und es gibt jede Menge zu tun. In diesem Jahr kann ich wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Infektionen keine Wwoofer bei mir aufnehmen. Da ist es gut, dass mein Partner Wilhelm mir bei der Versorgung der Tiere hilft.

Wilhelm im Einsatz

Nun ist es auch höchste Zeit, dass der Bock, der den ganzen Winter bei den Mutterschafen verbracht hat, zusammen mit den beiden Jungböcken auf eine separate Weide kommt. Die beiden jungen Kerle wollen es natürlich gleich wissen und forderen den älteren heraus, doch schon nach wenigen Kopfstößen ist klar, wer der Chef auf der Weide ist. Ich habe das Ganze in einem kleinen Film festgehalten, den man sich hier anschauen kann.

Schafe müssen über Nacht in den Stall

Dass es im Landkreis Rotenburg bereits seit einigen Jahren wieder Wölfe gibt, war mir natürlich klar. Aber dasss sie in so großer Anzahl ganz in der Nähe herumstreifen, wurde mir durch einen Beitrag in der Wümme-Zeitung vom 7. Januar sowie durch Gespräche mit ortsansässigen Jägern schlagartig bewusst.

Auf einer Drückjagd in der Feldmark des Nachbardorfes Steinfeld stöberten Jäger am 4. Januar gleich sieben Wölfe auf. Die Tiere, allesamt von ausgewachsenem Format, verhielten sich alles andere als scheu und ließen die Jäger bis auf 30 Schritte an sich herankommen. Eines der Tiere drehte sich um und betrachtete einen der Jäger in aller Ruhe, bevor sich das Rudel ohne Eile seines Weges trollte (weitere Einzelheiten dieser Begegnung sind hier nachzulesen).

Wolf, Foto: Zahkthar

Für einen Schafhalter sind das natürlich alles andere als beruhigende Nachrichten. Zwar sind die Wölfe hier in der Region zur Zeit unauffällig, was Nutztierrisse betrifft (es gab bislang lediglich mehrere, offensichtlich von Wölfen gerissene Damhirsche im Wald, der direkt an Bülstedt angrenzt). Aber ich kann mir doch nicht sicher sein, dass sie sich nicht eines Tages an meinen Schafen vergreifen. Eine Herde Schafe des Nachts auf der Weide muss für ein herumstreifendes Wolfsrudel schon sehr verlockend sein. Hinzu kommt, dass sie die menschliche Nähe offensichtlich nicht scheuen, so dass sie auch um Ortschaften nicht unbedingt einen großen Bogen machen werden (wer sich dafür interessiert, wie es um die Anzahl der Nutztierrisse in Niedersachsen bestellt ist, kann dies, ebenso wie die Entwicklung der Wolfspopulation, hier nachlesen).

Da die Situation nicht grundsätzlich neu ist, habe ich bereits im letzten Jahr damit begonnen, alle Unterlagen für einen Antrag auf finanzielle Förderung wolfsabweisender Einzäunungen zusammenzutragen und diesen Antrag um den Jahreswechsel abgeschickt. Die zuständige Behörde ist wegen zahlreicher Anträge jedoch so stark überlastet, dass die Bearbeitung wahrscheinlich Monate dauern wird. So hoffe ich, dass mir wenigstens demnächst gestattet wird, auf eigenes Risiko vorzeitig mit meinem Vorhaben zu beginnen, ohne dass dies zu einer Ablehnung des Antrags führt. Immerhin geht es um mehr als 6000 €, eine Summe, die sich mit einer Schafherde meiner Größe so leicht nicht verdienen lässt.

Schafe in der Scheune

Gar nichts zu tun, war in dieser Situation für mich aber auch keine Option oder nur eine, die zu schlaflosen Nächten geführt hätte. Die kurzfristige (vorübergehende) Lösung bestand für mich daher darin, für die Schafe provisorisch einen Bereich in meiner Scheune abzuteilen, damit ich sie über Nacht hereinholen kann. Das macht mir zwar zusätzliche Arbeit, und die Schafe sind es nicht gewohnt, da sie bislang ihr ganzes Leben auf der Weide verbracht haben. Aber es wenigstens zur Folge, dass ich wieder ruhig schlafen kann. Spätestens bis Mitte März zur Lammzeit muss ich jedoch eine andere Lösung gefunden haben, denn auf so engem Raum würde das Ablammen mit Sicherheit zu Problemen führen, da die Gefahr bestünde, dass sich die Lämmer falschen Müttern zuordnen. Das würde mir viele von ihren Müttern verstoßene Lämmer bescheren, die mit der Flasche großgezogen werden müssten – und damit zusätzliche Arbeit und Kosten.

Gartenreisen 2020

Für 2020 habe ich Gartenreisen zu den folgenden Zielen geplant:

  • Vom Donnerstag, 23.04.2020 bis Sonntag 26.04.2020 wird unter dem Motto Tulpenwahn eine „Bloembollen-Tour“ in die Umgebung von Groningen stattfinden.

Spätestens seit dem 17. Jahrhundert, als Tulpenzwiebeln in den Niederlanden ein Spekulationsobjekt waren, das zum ersten Börsencrash der Geschichte geführt hat, sind unsere niederländischen Nachbarn berühmt für ihre Blumenzwiebel-Kultur. Dabei gibt es weit mehr als den weithin bekannten Keukenhof mit seinen Tulpen-Massenpflanzungen. Auch in vielen privaten Gärten beginnt das Gartenjahr farbenreich mit Tulpen und anderen Frühlingsblühern, die mit den austreibenden Stauden zauberhafte Gartenbilder ergeben.

http://www.tuinfleur.nl/index_htm_files/9626.jpg
Garten Tuinfleur

Wir werden auf dieser viertägigen Reise eine Reihe privater Gärten besuchen, die das Thema Blumenzwiebeln und Frühlingsblüher jeweils ganz individuell umsetzen. Groningen, unser Hotelstandort, ist zudem eine interessante Stadt, die auch für sich einen Besuch wert ist und an den Abenden und einem Nachmittag erkundet werden kann.

Der Reisepreis im Doppelzimmer beträgt 795 € (Einzelzimmerzuschlag: 156 €). Weitere Einzeheiten zum Ablauf dieser Reise finden Sie hier.

  • Vom Montag, 20.07.20, bis zum Sonntag, 26.07.20,  führt uns  eine weitere Gartenreise unter dem Thema Gärten, Küche und Kultur im Elsass nach Frankreich.

Auf dieser Reise in die kleine, dabei aber überraschend vielfältige Region Elsass werden wir zauberhafte Privatgärten entdecken, regionaltypische Produkte probieren und die vielfältige Landschaft des Elsass kennenlernen.

Riedgarten
Riedgarten

Diese Reise werde ich wieder in der bewährten Zusammenarbeit mit Frau Hahn durchführen, die uns Einblicke aus erster Hand in das Leben und die Kultur unserer französischen Nachbarn geben kann, da sie bereits seit über 30 Jahren in Paris lebt.

Der Reisepreis im Doppelzimmer beträgt 1.475 € (Einzelzimmerzuschlag 280,50 €). Weitere Informationen zum Ablauf dieser Reise finden Sie hier.

  • Vom 08. – 15.09.2020 wird es schließlich noch einmal die Möglichkeit geben, die wärmende  Sonne südlich der Alpen zu genießen. Venetien und Venedig – Gärten, Landschaft, historische Städte und die Architektur Palladios sind die Themen der dritten Gartenreise, die uns in die Region zwischen Gardasee und der Lagune von Venedig führen wird.

Neben interessanten und historisch bedeutsamen Gärten wird auch die Architektur des berühmten Renaissance-Architekten Andrea Palladio auf unserem Reiseprogramm stehen. In keiner anderen Region findet man eine solche Anzahl von Bauwerken dieses vielleicht einfussreichsten Architekten des 16. Jahrhunderts.

Isola del Garda
Isola del Garda

Mit Padua, Vicenza, Verona und natürlich Vendig selbst stehen auch einige historische Städte auf dem Reiseprogramm, und auch die kulinarischen Spezialitäten Venetiens werden nicht zu kurz kommen. Das Gartenprogramm dieser Reise beinhaltet u. a. einen exklusiven Besuch auf der Isola del Garda, die sich im privaten Besitz der Familie Cavazza befindet. Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch Venedigs, wo wir eine Führung in einige private Gärten der Lagunenstadt bekommen werden.

Der Reisepreis im Doppelzimmer beträgt 1.795 € (Einzelzimmerzuschlag: 200 €). Weitere Informationen zum Ablauf der Reise und den besuchten Gärten finden Sie hier.

Anmeldungen können wie immer bei der Firma Schmätjen vorgenommen werden: 0 42 88 – 2 34, info@schmaetjen.de

 

Neue Lämmer in Arbeit

Auf der Schafweide hat die Decksaison begonnen. In diesem Jahr kommt „der Neue“ aus dem Weserbergland und macht seine Sache augenscheinlich gut (wie gut, wird sich in knapp fünf Monaten erweisen). Wenn auch bei flüchtigem Hinsehen nicht viel zu bemerken ist, so passiert in diesen Tagen doch einiges in der Herde: ein Schaf nach dem anderen sucht den Bock auf und lässt sich decken. Sichtbar wird das an der Zunahme der roten Flecke auf den Mutterschafen. Da der Bock wie jedes Jahr ein Deckgeschirr trägt (ein farbiger Wachsblock, der mittels Gurten auf seiner Brust befestigt ist), kann ich sehen, welche Schafe bereits gedeckt worden sind, da sie beim Deckvorgang farblich markiert werden – der Bock „hakt sie“ quasi ab.

Der eigentliche Deckvorgang ist recht unspektakulär, und die Schafe wirken manchmal ein wenig gelangweilt (wahrscheinlich sind sie einfach nur tiefenentspannt). Möglich ist das Ganze übrigens nur in gegenseitigem Einvernehmen. Ist der richtige Tag noch nicht gekommen, dann geht das Schaf einfach ein paar Schritte vorwärts, wenn der Bock ihm Avancen macht.

Einige haben bei der ganzen Sache leider das Nachsehen: die Jungböcke sind von den weiblichen Reizen der Mutterschafe natürlich auch nicht unberührt und würden ebenfalls gern zum Zuge kommen. Manchmal stellen sich brünftige Schafe sogar aufreizend zu ihnen an den Zaun. Dumm nur, dass eben der Zaun dazwischen ist.

Sommerausklang in den Niederlanden

Am Ziel für meine dritte diesjährige Garten-Tagesfahrt war  war der trockene Sommer schuld. Ursprünglich war der Besuch dreier Gärten in der Nähe von Löhne geplant, aber da diese  besonders stark unter der Trockenheit gelitten hatten, musste ich mir kurzfristig eine Alternative überlegen. Auf diese Weise gab es in diesem Jahr dann doch noch einen Tagesausflug in die Region Groningen, und in der Rückschau war der Besuch der drei ausgewählten Gärten weit mehr als nur ein Ersatz für die abgesagten Gärten.

Den Anfang machte der ehemalige Hof Tjassensheerd mit seinem Garten. Wie viele wohlhabende Höfe in der Region Groningen, war auch hier im 19. Jahrhundert ein sogenannter Slingertuin, ein Schlingergarten, neben dem imposanten Haus angelegt worden. Ihren Namen hatten diese Gärten von der geschlängelten Wegeführung, orientierten sie sich doch in ihrer Gestaltung mit ihrer ungezwungenen Wegeführung an englischen Landschaftsgärten, wenngleich auf einem wesentlich kleineren Maßstab.

Neben diesem historischen Gartenteil gibt es in Tjassensheerd noch einen modernen formalen Garten, der durch eine Mauer vom Slingertuin abgetrennt ist. Familie Duijnisveld empfing uns auf das Freundlichste und sorgte mit Getränken und Gebäck für einen angenehmen Aufenthalt an diesem sehr warmen Tag.

Unsere zweite Station war die Kleine Plantage, eine Staudengärtnerei mit Schaugarten, die  bereits zum wiederholten Male auf dem Programm der Garten-Tagesausflüge stand. Hier gibt es nicht nur ein verlockendes Angebot ausgefallener Stauden, sondern in den ausgedehnten Schaugärten zeigen Eric Spruit und Fleur van Zonneveld auch gleich, wie die Stauden aus der Gärtnerei wirkungsvoll eingesetzt werden können. Selbst wer hier nicht für den eigenen Garten fündig wurde, konnte manche Anregung für gelungene Staudenkombinationen bekommen. Kaffee, Tee und Gebäck sorgten darüber hinaus für eine entspannte Atmosphäre.

Den Abschluss an diesem Tag bildete der Garten Tuinfleur, ebenfalls ein „alter Bekannter“. Rika van Delden empfing uns in ihrer unvergleichlichen Art: ihr Enthusiasmus und ihre Freude am Garten sind wahrhaftig ansteckend.

Seit dem letzten Besuch ist der Garten noch einmal erweitert worden – nicht zuletzt, weil Rikas Ehemann, der für den Heckenschnitt verantwortlich ist, mit den Hecken, die es auch vorher bereits reichlich gab, offenbar nicht ausgelastet ist. So besteht der abschließende Gartenteil fast ausschließlich aus formstrengen Heckenelementen. Auch hier gab es zum Abschluss noch einmal Apfelkuchen, so dass wir uns gut gestärkt auf den Heimweg machen konnten.

Gartenperlen in Limburg

Meine dritte diesjährige Gartenreise führte uns nach Limburg. Hier, in der überraschend hügeligen Landschaft des südlichsten Zipfels der Niederlande und im angrenzenden Belgisch Limburg gibt es eine ganze Reihe interessanter Gärten, die auf jeden Fall einen Besuch lohnen. So war es für mich nicht schwierig gewesen, ein Programm sehr unterschiedlicher Gärten zusammenzustellen.

Auf dem Hinweg besuchten wir zunächst den Garten von Fortmond in der Nähe von Deventer. Ursprünglich war der Besuch eines anderen Gartens geplant, der durch die Trockenheit jedoch so große Schäden erlitten hatte, dass mich die Besitzer gebeten hatten, von einem Besuch Abstand zu nehmen. Der Garten von Fortmond, idyllisch im Außendeichgebiet der Ijssel gelegen, erwies sich jedoch als sehr viel mehr als nur ein „Ersatz“. Rund um das moderne, architektonisch ausgefallene Gebäude mit schrägen dem Gründach haben Josée und Willem de Haan einen Garten mit großzügigen Gruppen von Stauden und Gräsern angelegt, der zu dem modernen Gebäude wunderbar harmoniert.

Die Präriegarten artige Pflanzung bildet darüber hinaus einen hamonischen Übergang zu den weiten Schilfflächen des angrenzenden Naturschutzgebietes, ein Anblick, den wir aus dem Wohraum mit den großen Glasflächen heraus genießen durften.

Danach steuerten wir unser Hotel in Maastricht an, das mitten im lebendigen Stadtteil Wyck gelegen war, und von hier aus erkundeten wir in den folgenden Tagen die Umgebung dieser sehenswerten Stadt. Unser erster Besuch galt dem Garten Fancrever Höfke des Ehepaares Notermanns. Ein langes und sehr schmales Grundstück ist hier durch Formschnitthecken in unterschiedliche Gartenräume eingeteilt, die mit einer Vielzahl von Stauden und Gehölzen bestückt sind.

Die meisten der Gehölze werden durch regelmäßigen Schnitt in Form gehalten, damit sie die engen Grenzen des Gartens nicht sprengen. Neben der großen Pflanzenvielfalt sind die zahlreichen Ornamente aus dem örtlichen Mergelstein ein weiteres Charakteristikum dieses Gartens, die Herr Notermanns mit viel Geschick herstellt und von denen einige als Mitbringsel von den Mitreisenden käuflich erworben wurden.

Als Zweites besuchten wir den Garten De Carishof. Hier wurden wir von Hans de Vree, Henk Govers und Matthijs Smits empfangen, die den Garten rund um den fast 400 Jahre alten Hof mit viel Geschmack und Sinn für die richtigen Proportionen gemeinsam angelegt haben. Hans de Vree führte uns durch den Garten und erläuterte die Ideen, die der Gestaltung zugrunde liegen.

In De Carishof stimmt einfach alles: die gelungene Einbettung in die umliegende Weidelandschaft, die zurückhaltende Verwendung von Stauden und Gehölzen, so dass nie ein unruhiger Eindruck entsteht, und die sorgsame Auswahl der Blütenfarben, die an keiner Stelle den Eindruck unruhiger Farbikeit aufkommen lässt. Den krönenden Abschluss fand unser Besuch mit einem dreigängigen Mittags-Menü im geschmackvollen Esszimmer des Hauses, das fast ausschließlich aus Zutaten aus dem Garten bestand.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug nach Belgisch Limburg und besuchten den Garten von Dina Deferme. Dinas Staudenkompositionen sind zu Recht weithin bekannt.

Auch hier sorgt die großzügige Gruppierung von Stauden und Gräsern im Zusammenhang mit den perfekt in Form gehaltenen Formschnitthecken bei aller Vielfalt für eine gewisse Ruhe. Da Dina Deferme die Möglichkeit hat, ihre Pflanzen stets ausreichend zu wässern, präsentierten sich die Rabatten trotz des Sandbodens, auf dem der Garten angelegt ist, in schönster Üppigkeit.

Nach einer Mittagspause in Tongeren, der ältesten Stadt Belgiens, mit der imposanten Liebfrauen-Basilika besuchten wir am Nachmittag den Garten Schopsheim, der direkt an der Grenze zwischen dem niederländischen und dem belgischen Limburg liegt. Nachdem es zunächst nicht ganz leicht war, dieses auf einem Hügel liegende Kleinod zu erreichen, führte uns die herzliche und lebhafte Besitzerin, Maria Kapteijns über das Gelände rund um den Doppel-Vieseitbauernhof von 1640.

Beeindruckend waren die weiten Ausblicke in die erstaunlich hügelige Landschaft der „Limburger Schweiz“. Schopsheim, des „Schaf-Haus“, liegt in einem Naturschutzgebiet weitab von verkehrsreichen Straßen, so dass hier eine wunderbare Ruhe herrschte. Neben den Stauden- und Rosenpflanzungen rund um die zahlreichen Terrassen war es vor allem der von den beiden Besitzern des Heerenhofs in Maastricht gestaltete Innenhof mit seiner schlichten Bepflanzung und dem Wasserbecken im Zentrum, der uns am meisten beeindruckte.

Am nächsten Tag hieß es dann schon wieder, Abschied von Maastricht zu nehmen. Auf unserer Rückreise standen noch einmal zwei Gärten mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten auf dem Programm. Zunächst steuerten wir den Hesperidenhof in der Nähe von Venlo an. Wie der Name schon vermuten lässt, dreht sich in diesem Garten (fast) alles um Zitrusgewächse und andere Kübelpflanzen.

Die Gartenbesitzer Ann und Coen Keunen haben sich aus Passion so tief in das Thema eingearbeitet, dass sie inzwischen weithin als Spezialisten auf diesem Gebiet gelten und zahlreiche Raritäten zeigen können. Der Garten selbst ist in drei Abschnitte gegliedert: den hausnahen Kübelpflanzengarten mit dem großen Gewächshaus, ein Waldstück mit einem Teich und vielen interessanten Gehölzen auf einer Düne und den Obstgarten, mit zahlreichen seltenen und besonderen Gehölzen und auch Stauden, der den Abschluss bildet.

Als letzten Garten besuchten wir schließlich den Garten Verheggen in Lottum. Das Ehepaar Verheggen empfing uns sehr herzlich, und Frau Verheggen erzählte uns die Geschichte ihres Gartens, in dem Dahlien eine besondere Rolle spielen. Nach einem stärkenden Picknick erkundeten wir den Garten, und tatsächlich gibt es hier ca. 700 Dahlien zu bewundern. Doch diese sind in der Gestaltung keineswegs dominant, sondern stets mit Gräsern und anderen Stauden kombiniert.

Ein Rausch der Farben war um diese Jahreszeit die Große Rabatte mit einer ausgewogenen Kombination von Dahlien, Gräsern und hochwachsenden Stauden, doch auch die anderen Gartenteile wie der Vier-Farben-Garten, der Romantische Garten und der Englische Rabattengarten wiesen schöne Pflanzenzusammenstellungen auf.

Nach einem herzlichen Abschied von den Verheggens ging es voller Eindrücke wieder zurück nach Bremen.

 

 

 

Ideenvielfalt in Holsteiner Gärten

Am 7. Juli ging es in diesem Sommer zum zweiten Mal auf einen Garten-Tagesausflug. Diesmal war mit Holstein der hohe Norden unser Ziel. Als erstes steuerten wir an diesem Tag den Garten von Frau Woytas, selbst eine begeisterte Gartenreisende, in Oststeinbeck an. Das Wetter war an diesem Tag zunächst noch kühl, und so freuten sich alle Mitreisenden über die angebotenen heißen Getränke und eine Stärkung in Form von Brot und verschiedenen pikanten Aufstrichen. In Frau Woytas blütenreichen Garten gab es eine Vielzahl ungewöhnlicher Stauden in interessanten Kombinationen zu bestaunen. Trotz der Vielfalt, die hier herrschte, war es der Gärtnerin wichtig zu betonen, dass ihr Garten kein Sammlergarten sei, sondern dass jede Pflanze etwas zum Gesamteindruck beitragen müsse, und nicht etwa allein deshalb gepflanzt werde, weil sie selten ist.

Von hier aus ging es weiter zu Herrn Hövermann nach Wensin, dessen Garten in vielerlei Hinsicht einen deutlichen Kontrast zu dem zuerst besuchten darstellte. Während der Führung durch den Gartenbestzer, der ein ein Garten-Landschaftsbau-Unternehmen führt, wurde schnell deutlich: dies ist nicht in erster Linie ein Garten der Staudenfülle oder -vielfalt, sondern hier stand die räumliche Gestaltung des Geländes um das alte reetgedeckte Fachwerkhaus im Vordergrund. Durch Hecken vielfach gegliedert, boten sich immer wieder interessante Ausblicke in die umgebende Landschaft. Nicht zu übersehen war, dass einzelne Teile des Gartens durch Italien- und Englandreisen inspiriert worden waren: durch Formschnitthecken abgegrenzte kleine, geheime Gärten, giardini segreti, offenbarten ganz unerwartet südländisch anmutende Brunnen oder kunstvolle Knotengärten á la Barnsley House.

Unser drittes Ziel an diesem Tag war der Garten von Fenna Graf, der nicht ohne Grund weithin bekannt ist. Hier von einem Garten zu sprechen, ist eine glatte Untertreibung, handelt es sich doch um über zwanzig unterschiedlich gestaltete Gartenräume, die im Einzelnen zwar sehr verschieden sind, in ihrer Gesamtheit jedoch ein harmonisches Ganzes ergeben. Die durchweg ruhige Ausstrahlung der gesamten Anlage begründet sich in Fenna Grafs weitgehende Beschränkung auf eher sanfte, kühle Farben, auf die Verwendung und rythmische Wiederholung großzügiger Gruppen nicht zu vieler unterschiedlicher Stauden und Gräser und die klaren Gestaltungslinien, die dem Blick der Besucher Halt geben. Zur AUfenthaltsqualität in ihrem Garten trug nicht zuletzt auch der freundliche Empfang durch die Gärtnerin bei.