Nachdem meine letzte Gartenreise nach Schottland mittlweile 14 Jahre zurückliegt, war es endlich einmal wieder an der Zeit, dieses Land und seine Gärten ganz im Norden Großbritanniens aufzusuchen. Dass viele Garteninteressierte auf eine Gartenreise nach Schottland gewartet hatten, zeigte sich in den vielen Anmeldungen.
Am 5. Juli starteten wir von Bremen zum Fährhafen Amsterdams nach Ijmuiden, von wo uns die Nachtfähre ganz bequem in den Norden Englands nach Newcastle bringen sollte. Vorher unterbrachen wir die Anreise jedoch mit dem Besuch des Beukenhofs in der niederländischen Provinz Gelderland.

Hier beeindruckten die perfekt in Form geschnittenen Buchenhecken, die dem Garten seinen Namen geben und ihn in einzelne Räue gliedern, die mit einer großen Staudenvielfalt angefüllt sind. Die weitere Busfahrt nutzte ich, um, wie auf allen meinen Reisen, durch Vorlesen von Kurzgeschichten schottischer Autoren einen kleinen Einblick in die Literatur unseres Reiseziels Schottland zu geben.
Mach einer angenehmen, ruhigen Überfahrt erreichten wir am nächsten Morgen Newcastle upon Tyne, von wo uns der Weg entlang der Küste weiter gen Norden führte. Unser erstes Ziel an diesem Tag lag gerade noch in England: Holy Island mit Castle Lindisfarne, einst Klosterinsel, später ein miltärisch wichtiges Fort zur Verteidigung gegen die Schotten und schließlch von Arts & Crafts-Architekt Edwin Lutyens zu einem Ferienhaus umgebaut.

Natürlich durfte selbst an diesem unwirtlichen Ort ein (kleiner) Garten nicht fehlen, in diesem Falle von keiner geringeren entworfen als der Arts & Crafts-Gartengestalterin Gertrude Jekyll. Vom Busparkplatz musste zunächst ein kleiner Fußweg zurückgelegt werden, der zusammen mit der Fahrt über den Gezeitendamm (die Insel ist nur bei Niedrigwasser ohne Boot erreichbar) den Eindruck des Entrücktseins dieses Ortes noch verstärkte.

Am Nachmittag statteten wir Floors Castle am Grenzfluss Tweed noch einen Besuch ab. Hier waren wohl alle Mireisenden von der Üppigkeit der Staudenrabatten und den Ausmaßen des im Küchengarten angebauten Gemüses schwer beeindruckt. Die Frage, die sich allen stellte, lautete denn auch, welcher Dünger hier wohl verwendet würde.

Abends erreichten wir unser Hotel in Edinburgh, das auf dem Campus der Universität direkt am Holyrood-Park lag, eine Lage, die zu morgendlichen Spaziergängen mit Panortamablick auf die Stadt geradezu einlud.

Der folgende Tag bescherte uns zunächst den Besuch von Shepherd House Garden.

Dieses intime Gartenkleinod am Stadtrand von Edinburgh, das ein Kaufmannshaus aus dem 17. Jahrhundert im niederländischen Stil umgibt, ist das Lebenswerk von Charly und Anne Fraser, beide bereits in den 90ern aber immer noch voller Energie, wenn es um ihren Garten geht. Nach einer Stadterkundung per Bus und zu Fuß hatten alle dann freie Zeit, um die Stadt im eigenen Rythmus und nach eigenen Bedürfnissen weiter erlaufen.

Am nächsten Morgen brachen wir weiter Richtung Norden auf. Unser erstes Ziel war der Garten von Hospitalfield House, heute eine private Kunstschule. Die Gestaltung des Gartens mit dem Kräutergarten knüpft an die Vergangenheit des Ortes im Mittelalter als Benediktiner-Spital an.

Beeindruckend war vor allem die soziale Arbeit, die hier mit dem Garten gemacht wird. Der sinnliches Eindruck des Gartenbesuchs wurde aufs Angenehmste durch ein köstliches Lunch-Buffet im Glashaus Café ergänzt, zumal die meisten der Rohstoffe für die Gemüsequiches und Salate direkt aus dem Garten oder, im Falle der delikaten Erdbeertötchen, aus der näheren Umgebung stammten.

Bevor es weiter zu unserem Hotel in den Highlands ging, besuchten wir noch den Garten von Pitmuies House mit seinen überwältigenden Staudenrabatten, der sich ganz natürlich in die leicht hügelige Landschaft der Grafschaft Angus schmiegt.

Für die nächste Nacht bezogen wir das Atholl Palace Hotel in Pitlochry, das mit seinem viktorianischen Charme, den dicklen Teppichböden und zahlreichen Polstermöbeln im Foyer in eine andere Zeit gehörte.

Der folgende Tag führte uns ganz an die Westküste Schottlands. Auf dem Weg dorthin standen zwei in Schottland sehr bekannte, dabei komplett unterschiedliche Gärten auf unserem Programm. Zunächst besuchten wir in Perth Branklyn Garden, den einstiegen Garten der Pflanzensammler John und Dorothy Renton, den sie in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt hatten. Der Garten weist eine enorme Artenfülle auf und befindet sich dank des National Trust for Scotland in einem hervorragenden Pflegezustand.

Für eine Mittagspause machten wir Halt in dem kleinen Örtchen Muthill, wo wohl niemand der Mitreisenden ein so ausgezeichnetes Restaurant wie den Coorie Inn erwartet hätte, der uns nicht nur mit einem ausgesprochen gemütlichen Interieur, sondern auch mit einem ausgezeichneten Mittagessen überraschte.

Drummond Castle Garden dagegen beeindruckte vor allem durch seine großzügige formale Gestaltung, die zwar aus dem 19. Jahundert stammt, jedoch Bezug auf die Geschichte des Gartens seit dem 16. Jahrhundert nimmt.

Unser Hotel für die kommende Nacht befand sich in Oban, dem wichtigsten Fährhafen zu den Hebriden, das sich als lebhafte Hafenstadt mit interessanten Pubs präsentierte.

Hier besuchten wir eine der ältesten Destillerien Schottlands und erfuhren viele Details über die Herstellung des schottischen Lebenswassers – nichts anderes bedeutet das aus dem Gälischen stammende Wort Whisky.

Welches Pflanzenvielfalt das milde Klima der Westküste trotz der nördlichen geografischen Breite ermöglicht, konnten wir in Arduaine bestaunen: Rhododendren von imposanten Ausmaßen und mit beeindruckend großen Blättern sowie zahlreiche andere Arten, die bei uns allenfalls in Gewächshäusern kultiviert werden können, gediehen hier ganz offensichtlich ohne Probleme.

Daneben bezauberte die Lage des Gartens mit einem wundervollen Blick auf die Küste und die vorgelagerten Inseln, der sich bei einem abschließenden Cream Tea noch genießen ließ.

Nach einer Übernachtung in Falkirk brach bereits unser letzter Tag in Schottland an. Den krönenden Abschluss schottischer Gärten machte der Rosengarten von Carolside House. Die hier befindliche nationale Sammlung von Gallica-Rosen stand noch in voller Blüte, und so konnten wir abschließend im Rosenduft schwelgen, bevor es weiter Richtung Newcastle ging, wo die Nachtfähre auf uns wartete, die uns zurück auf den Kontinent bringen sollte.

Nach wiederum ruhiger Überfahrt erreichten wir am nächsten Morgen Ijmuiden, von wo aus wir uns zu einem letzten Gartenbesuch dieser Reise im niederländischen Frieland aufmachten. Im Bokkeshuske, der ehemaligen Ziegenbockstation des Ortes, wurden wir sehr herzlich von den Gartenbesitzern und ihrer Familie begrüßt, die für uns zudem einen kleinen Lunch vorbereitet hatten. Alle Fragen, die wir zu ihren vielfältigen Staudengarten hatten, beantworteten Jan und Jannie van der Mossel gern. und es war ganz offenbkundig, dass sie sich ganz über unseren Gartenbesuch und die Wertschätzung ihres Gartens sehr freuten.

Am Abend erreichten wir dann voller Eindrücke, die erst einmal sortiert werden mussten, Bremen, den Ausgangsort unserer Reise.
