Anfang Juni startete in diesem Jahr unsere, das heißt Nicola Hahns und meine, erste Garten- und Kulturreise. Das Ziel war die Region beidseits des Oberrheins, also sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite. Besonders im Elsass verbinden sich die Einflüsse beider Länder in der Architektur, den Traditionen, der Küche und der Sprache zu einer eigenen kulturellen Identität und machen die Region daher besonders interessant, so dass wir es uns zum Ziel gesetzt hatten, diese zu entdecken.

Am ersten Tag der Reise führte unser Weg bis ins hessische Seligenstadt, direkt an der bayrischen Grenze gelegen, wo wir das gleichnamige Benediktinerkloster mit seinem hervorragend restaurierten Barockgarten besichtigten. Während einer kenntnisreichen Führung durch die Gebäude und den Garten erfuhren wir interessante Details über die Geschichte dieses Ortes und das Leben seiner Bewohner. Unsere erste Nacht verbrachten wir mitten im Zentrum des idyllisch am Ufer des Mains gelegenen Ortes.

Am folgenden Morgen ginng es weiter bis nach Colmar, wo wir für die nächsten Tage unser Quartier im Hotel Maison Turenne bezogen, das direkt am Rande der Altstadt gelegen ist. Auf dem Weg dorthin machten wir zunächst jedoch noch Halt in zwei Gärten. Bei dem ersten der beiden handelte es sich um den circa einen Hektar großen Garten der Familie Schott mit zahlreichen seltenen und ungewöhnlichen Gehölzen. Karl-Martin Schott führte uns kenntnisreich durch sein Schott-Land genanntes Arboretum, während seine Frau Ulrike für uns ein Buffet mit vielen unterschiedlichen Salaten bereitstellte, bei denen die meisten Zutaten aus dem eigenen Garten stammten.

Jenseits der französischen Grenze im Naturpark Ballon des Vosges besuchten wir den auf 600 m Höhe gelegenen Jardin de Trapelune von Madame Eyermann Boul, den sie mit vielen besonderen Gehölzen und Stauden um das ehemalige Haus eines Bauern und Bergarbeiters angelegt hat.

Am Abend erreichten wir dann Colmar, wo wir uns in einem traditionellem Lokal mit der elsässischen Küche vertraut machten.

Der nächste Morgen führte uns zurück nach Deutschland ins Breisgau, wo wir Ursulas Garten in Niedertal besuchten. Hier hat die Gärtnerin einen staudenreichen Garten nach ihren ganz persönlichen Vorstellungen angelegt, in dem es zahlreiche Sitzplätze für unseren Mittagsimbiss aus gartenfrischem Salat und einer köstlichen Gemüsequiche gab.

Am Nachmittag sollte es eigentlich in die Fondation Beyeler nach Basel gehen, doch erwies sich der Besuch dort als Enttäuschung, so dass wir kurzerhand den Piet Oudolf Garten auf dem Vitra-Gelände in Weil am Rhein besuchten mit seinen für den niederländischen Gartengestalter so typischen großzügigen Staudenpflanzungen. Zurück in Colmar probierten wir uns im Caveau Saint Pierre weiter durch die elsässische Küche.

Am folgenden Tag ging es in die entgegengesetzte Richtung hoch in die Vogesen, wo wir von kühlem nebeligen Wetter empfangen wurden, wie es in diesen Höhenlagen auch im Juni nicht selten ist. Wir besuchten den auf gut 1200 Höhenmetern gelegenen Jardin d’altitude du Haut Chitelet, einen botanischen Garten, in dem charakteristische Pflanzen aus den Vogesen, aber auch aus anderen Gebirgen der Welt in einer schön gestalteten und gut gepflegten Anlage versammelt sind.

Die nächste Station an diesem Tag war die Maison du Munster, wo wir alles über die Herstellung des gleichnamigen, für das Elsass so typischen Käses mit der charakteristischen Rotschmiererinde erfuhren und ihn in unterschiedlichen Reifestadien natürlich auch verkosten konnten. Zurück in Colmar begaben wir uns noch auf eine Kahnfahrt auf der Lauch und lernten die Stadt mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern aus dieser ungewöhnlichn Perspektive kennen.

Am folgeden Tag stand ein Ausflug nach Straßburg auf dem Programm. Hier bekamen wir eine kenntnisreiche Führung von Holger Schneider, der uns an Orte führte, die auch für Straßburgkenner wenig bekannt sind. Er hatte für uns viele interessante Informationen aus der Geschichte der Stadt parat – nicht zuletzt auch über die beiden imposanten Gingko-Bäume am Place de la République.

Auf dem Rückweg nach Colmar besuchten wir noch den Parc et Jardin de la Romance, einen liebevoll gestalteten Privatgarten im elsässischen Ohnenheim. Hier sorgte der Kontrast zwischen dem eher formal gestateten Gartenteil vor dem Haus zu dem informell gehaltenen parkähnlichen Gartenteil hinter dem Haus für eine interessante Spannung.

Bevor wir Colmar wieder erreichten, gab es an diesem Tag noch eine Weinprobe in der nach Demeter-Standards bewirtschafteten Domaine Freyburger. Hier lernten wir die klassischen elsässischen Rebsorten kennen, wie Riesling und Gewürztaminer, und durften uns durch die verschiedenen Weine probieren, die auf diesem Familienweingut gekeltert werden.

Der letzte Abend in Colmar wurde dann noch einmal zu einem kulinarischen Höhepunkt mit dem Besuch des Restaurants l’Arpege, wo wir perfekt zubereitete Köstlichkeiten serviert bekamen. Hier waren nicht nur die zubereiteten Gerichte von außergewöhnlicher Qualität, sondern auch das fantasievoll gestaltete Interieur des Restaurants und das freundliche Personal machten den Abend zu einem besonderen Erlebnis.

Am nächsten Morgen verließen wir Colmar und fuhren wieder zurück gen Norden, nicht jedoch ohne noch zwei Gärten im Elsass zu besuchen. Eine echte Überraschung für uns war Le Jardin de Marguerite, ein englisch inspirierter Garten mit einer großen Pflanzenvielfalt und einem Kiesgarten vor dem Haus.

Weit über die Grenzen des Elsass hinaus bekannt ist die Ferme Bleue, der Blaue Hof. Rund um das im Hanauer Blau gestrichenen Hofgebäude, das für die protestantischen Dörfer des Elsass so typisch ist, haben Alain Soulier und Jean-Louis Cura verschiedene Gartenräume angelegt und thematisch sehr unterschiedlich gestaltet.

In der Ferme Bleue durften wir neben dem schönen Garten auch noch einen vielfältigen Sonntags-Brunch genießen, der den Gartenbesuch aufs Schönste abrundete.

Nach einer Übernachtung in Schriesheim bekamen wir am nächsten Vormittag von Chefgärtner Sean Caroll eine Führung durch den im Nachbarort Weinheim gelegenen, weithin vor allem für seine Präriepflanzungen bekannten Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, bevor wir uns endgültig auf den Rückweg nach Bremen machten.

