Neue Lämmer in Arbeit

Bei den Schafen ist Deckzeit, und in diesem Herbst ist Jockel der diensthabende Deckbock in meiner Herde.


Deckbock Jockel

Jockel ist im besten Alter und wohnt normalerweise an der Nordseeküste bei Cuxhaven bei einer Züchterkollegin. Bei mir ist er nur zum Deckeinsatz. Mit seiner ausgeprägten Mähne und dem männlichen Profil ist er eine beeindruckende Erscheinung.
Bevor Jockel zu den Mutterschafen durfte, musste er erst einmal eine Woche lang bei den Bocklämmern zubringen. Die „Jungs“ fanden den „gestandenen Mann“ offenbar sehr attraktiv und umringten ihn gleich. Aufmüpfig wurde aber keiner von ihnen, denn die Kräfteverhältnisse waren doch zu eindeutig.


Jockel bei den Jungböcken: jung und alt finden sich offenbar gleichermaßen anziehend

Auch die Schafdamen mmochten ihn anscheinend gleich, denn schon nach einer Woche waren drei Viertel der Schafe gedeckt – gut sichtbar am blauen Fleck auf der Kruppe. Jockel „hakt“ die Damen quasi „ab“, die er bereits begattet hat, und bringt eine blaue Markierung an. Das tut er allerdings nicht bewusst, sondern er trägt ein Deckgeschirr. Das ist ein farbiger Wachsblock, der mit Hilfe von Gurten auf seiner Brust fixiert ist, so dass sich die Farbe beim Aufspringen in der Wolle der Schafe abzeichnet. So kann ich (bis auf ca. eine Woche genau) ausrechnen, wann die Lämmer geboren werden, denn die Tragzeit bei Schafen beträgt ziemlich genau 145 – 153 Tage.


eheliche Pflichten machen augenscheinlich etwas müde

Jockel selbst braucht die Markierung allerdings nicht um zu wissen, ob ein Schaf schon gedeckt ist. Er prüft mit Hilfe seiner Nase, ob die Schafe brünftig sind oder nicht. Sobald er sich einem Schaf nähert, setzt dieses Urin ab, dessen Geruch er mit geschürzten Lippen einsaugt. Dieses Flehmen sieht für menschliche Betrachter immer etwas merkwürdig aus, weil der Bock ganz entrückt wirkt. Ist ein Schaf erst einmal gedeckt, so ist es das in diesem Jahr mit dem Sex gewesen, denn es ist nicht mehr bereit, sich noch einmal vom Bock bespringen zu lassen.


Jockel beim Flehmen – mit etlichen Schafen ist er offenbar schon fertig